Gefahren des Pseudo-Traditionalismus (Teil 1)

 

Gefahren des Pseudo-Traditionalismus (Teil 1)

Der erste Teil dieser kurzen Artikelserie über die Gefahren des Pseudo-Traditionalismus befasst sich mit dem notwendigen Kampf der traditionalistischen Gemeinschaften innerhalb der römisch-katholischen Kirche gegen den Modernismus und den Liberalismus. Der zweite, noch folgende Artikel hingegen befasst sich mit den alltäglichen Gefahren, denen traditionalistische Gläubige heute ausgesetzt sind, einem Pseudo-Traditionalismus zu verfallen bzw. einen sogenannten grundsätzlichen „Sonntags-Katholizismus“ einschleichen zu lassen.

Portrait FS_kleinvon Felix Scholtysik

Was ist Traditionalismus?

Traditionalismus wird im Folgenden als Ansinnen einer Bewegung innerhalb der römisch-katholischen Kirche verstanden, deren Anhänger am wahren, unverfälschten und unverkürzten katholischen Glauben festhalten wollen, also an dem Glauben, wie er von Jesus Christus gelehrt wurde und wie ihn die Kirche knapp 2000 Jahre lang verkündete und weitergab – es geht also um die Tradition der Kirche.1 Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil jedoch wurde mit dieser Tradition bewusst gebrochen. Die gefährlichste und schädlichste Irrlehre der Moderne, der Liberalismus, sickerte zwar schon weit vor jenem unheilvollen Konzil in die Adern der Kirche, wurde jedoch von den Päpsten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts immer wieder energisch zurückgewiesen, etwa – um nur wenige Päpste zu nennen – von Leo XIII. in seinen herausragenden Enzykliken Libertas praestantissimum und Immortale Dei oder durch Pius IX. in Quanta Cura oder seinem berühmten Syllabus. Der Liberalismus in der Theologie, also der Modernismus, wurde vom hl. Papst Pius X. als omnium haeresium collectum („Sammelbecken aller Häresien“) bezeichnet und in der wegweisenden Enzyklika Pascendi Dominici Gregis verurteilt. Das Zweite Vatikanische Konzil jedoch manifestierte diese gefährlichen Irrtümer in den Konzilstexten, zum Ausdruck gebracht vor allem in den Bekenntnissen zur Religionsfreiheit, zum Ökumenismus und zur Kollegialität sowie in den erschütternden Dekreten der Pastoralkonstitution der Kirche und der Erklärung zu den nicht-christlichen Religionen.

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DGW-Preisträger für 2013: Moritz Scholtysik

Wegen technischen Problemen ist es scheinbar zu Verzerrungen gekommen, welche keine sicheren Aussagen über das tatsächliche Abstimmungsergebnis mehr zulassen.

Die DGW-Chefredaktion hat sich deshalb entschlossen, in einerm autoritativen Schritt den DGW-Journalistenpreis für herausragende Leistungen im Jahr 2013 an Moritz Scholtysik zu verleihen.

Begründung:
a) Er führte im regulären Abstimmungszeitraum der Onlineabstimmung die Rangliste überdeutlich und dauerhaft an.
b) Die Resonanz auf seinen Artikel war in seiner überwältigenden Form singulär im DGW-Jahr 2013
c) Dank des Artikels Scholtysiks hat der DGW herausragende Kritiken auch außerhalb unseres gewöhnlichen Leserkreises gewonnen, zudem diesen dank seiner herausragenden Leistung erweitert.

Wegen den diesjährigen Erfahrungen behält sich die Chefredaktion vor, im nächsten Jahr über den Journalistenpreis in Form einer Juryentscheidung zu befinden.

6. DGW-Journalistenpreis

Die 6. Auflage des DGW-Journalistenpreises steht an und ihr habt die Möglichkeit bis zum 15. Januar zu entscheiden, wer den Preis für exzellentes Schreiben im vergangen Jahr 2013 erhalten soll. Nominiert sind die besten 12 Artikel.

Spießigkeit und Prüderie – Signum einer visionslosen Gesellschaft (Teil 2/2)

Ein Essay von Friedrich Reusch

katholischUmweltfürbitten in Sitzkreismessen: Spießigkeit in der Kirche

Wenn man die überlieferte Liturgie betrachtet, dann sieht man darin ein Spiegelbild der anbetenden Grundhaltung der Kirche. Alles ist hier auf Gott ausgerichtet, und gerade dies macht die heilige Messe für uns Menschen, die in hac lacrimarum valle [„in diesem Tränental“]befangen sind, zum großen Trost. Je tiefer wir uns unseres wahren Zustandes bewusst sind, umso mehr werden wir diese Theozentrik des heiligen Opfers bewundern und bejahen. Jedes „Taghell“ in der Kirche, jede Reminiszenz an die Welt und ihren grauen Alltag, muss hier wie ein Störfaktor für einen Migränepatienten wirken. Die Kirche in ihrer doktrinären und liturgischen Unversehrtheit ist dennoch und gerade deshalb in der Welt präsent und befruchtet diese, schöpft sie doch ihre Kraft nicht aus dem Kult des Menschen, sondern aus dem Kult des Gottmenschen, Christus. Die Missionen und ihre Wirkung sind ein beredtes Zeugnis dafür.

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Spießigkeit und Prüderie – Signum einer visionslosen Gesellschaft (Teil 1/2)

Ein Essay von Friedrich Reusch

Franz-Josef Strauß hat einmal gesagt, der Kampf um die Sprache sei eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die geistige Selbstbehauptung. Man dürfe sich nicht im Kampf um Begriffe und Sprache von den Sozialisten verdrängen lassen. Diese hätten sich seit Ende der 1960er-Jahre der Sprache bemächtigt und diese als Waffe benutzt, indem sie Begriffe herausgestellt, mit anderem Inhalt gefüllt und dann als Wurfgeschosse – nicht ohne Erfolg – gegen ihre Gegner verwendet hätten.i Exemplarisch für die dringend notwendige Aufarbeitung falsch verwendeter Schlagworte, die gegen überzeugte Christen verwendet werden, wollen wir uns in den folgenden Zeilen einmal mit den Begriffen der „Spießigkeit“ und der „Prüderie“ beschäftigen. Manch ein Leser mag sich wundern, warum in einer Publikation junger Katholiken „die anderen“, im frommen Sprachgebrauch also die Kinder der Welt als „prüde“ und „spießbürgerlich“ gebrandmarkt werden sollen. Denn auch, wenn man seinen Mitmenschen nicht das Beispiel eines religiösen Eiferers bietet, so wird man als junger Christ in einigen Gesprächen und Diskussionen dennoch gerade mit diesen beiden Prädikaten markiert. Genauso wie es heute keinen Patriotismus, sondern nur noch „Nationalismus“ gibt, so existiert anscheinend auch keine Sittsamkeit mehr, sondern nur noch „Prüderieii, ebenso darf es keine Ablehnung von modernem Mainstream von einem höheren Blickwinkel aus mehr geben, sondern nur noch „Spießigkeit“, die deshalb in einer ziemlich inflationären Weise als Erklärung für sämtliche moralischen wie auch kulturpolitischen Haltungen herhalten muss.

 

Lachgeschichten - Ein Herz und eine SeeleSo viel Spießigkeit war nie

Spießigkeit, das ist nach dem uns eingebrannten enzyklopädischen „Wissen“ durch Funk und Fernsehen doch scheinbar selbstredend in persona das unsympathisch anmutende „Ekel Alfred“ aus der Fernsehserie Ein Herz und eine Seele der 1970er-Jahre, der in seiner Ruhrpott-Reihenhaussiedlung mit Bildzeitung in der Hand und Hosenträgern über dem Unterhemd gegen die „Sozis“ hetzt und seine Ehefrau schikaniert. Freilich, so gefasst gäbe es heute kaum noch Spießer in Deutschland, da diese Type der Marke Blockwart heute kaum noch vertreten ist. Nein, Spießbürgertum als soziologisch-abstrakter Begriff heißt etwas anderes als Bildzeitung, Bier und Bohnerwachs, sondern tritt je nach Gesellschaft anders auf: Spießigkeit ist eine innere Haltung, die sich dadurch kennzeichnet, sich in der Anonymität und im Gleichheitsdrill einer Gesellschaft wohlzufühlen, ja sogar das Bestreben zu haben, um keinen Preis aufzufallen – Mittelmaß also als Maxime. Immer wird es vorherrschende Leitgedanken und Leitverhaltensweisen geben, welche sich nicht nur im politischen Tagesgespräch, sondern auch im Privatleben der Einzelnen niederschlagen. Und immer wird es bequemer sein, als Spießer mit der Masse zu schwimmen. Somit hat auch unsere gegenwärtige Gesellschaft ihre Spießer, und sogar sehr viele infolge des Wegfalls von Sinnstiftungsinstanzen jenseits des medial gesteuerten Durchschnittsbürgertums, wie sie einst Religionen und politische Überzeugungen darstellten. Soviel Mainstream war nie, und somit war auch noch nie so viel Spießertum. Jürgen Elsässer hat erkannt, dass die bei uns vorherrschende (Meinungs-)Kultur mit ihrem Zentrum in den angestaubten Idealen der 68er längst zu einem selbstreferenziellen und totalitären 68er-Spießertum geworden ist – und diese spießige linke Leitkultur wirkt auf den typischen braven Deutschen, der ja auf keinen Fall etwas Falsches sagen will, höchst repressiv, indem sie jeden politischen und gesellschaftlichen Diskurs in ein Stahlnetz einzwängt, für das drei Eckpunkte maßgeblich sind:

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DGW-Rezension bei der Politischen Akademie der ÖVP (PolAk)

„Der Reaktionär ist eben nicht der Aufhalter oder unverbesserliche Rückschrittler, zu dem ihn die politische Denunziation macht – er schreitet im Gegenteil, wenn es darum geht, etwas Vergessenes wieder in Erinnerung zu bringen.“ Dieser Satz des deutschen Schriftsteller Martin Mosebach legt die Wunde in die Schwachstellen des modernen politischen Systems und birgt Sprengkraft, Bildung, Wirtschaft, Subventionen, Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft, wo liegen die vergessenen Schätze der europäischen Kultur, die es wieder zu bergen gilt, nachdem die destruktiven Element der radikalen Liberalisierung aller Lebensbereiche immer mehr zum Tragen kommen. Eine der interessantesten Kritikschulen an den Irrungen der Moderne kommt von sogenannten reaktionären Denkern. Deren Gedankengänge bieten die Möglichkeit der Inspiration und der Orientierung für die eigene Lebenswelt. Jene Ausgabe der Zeitschrift der „Der Gerade Weg“, einer Publikation aus dem Umfeld der traditionalistischen katholischen Piusbruderschaft, stellt die Gedankengänge der reaktionären Philosophen und Schriftsteller wie Nicolás Gómez Dávila, Martin Mosebach und versucht dabei, die derzeitige Krise Europas als Folge der Modernisierung abzuleiten. Es stellt sich die Frage, ob die Krise Europas wirklich monokausal auf die zentralen Forderungen der französischen Revolution zurückzuführen ist und ob die Moderne nicht auch Fortschritte (Gleichberechtigung von Mann und Frau, Aufheben der Stände, freie Berufswahl) für den Bürger mit sich brachte. Man muss die Einschätzung der reaktionären Autoren nicht teilen, kann aber dennoch von deren stilistischer Brillanz profitieren. Der Essay über die prägenden Denker der Reaktion eignet sich also gut als Einstieg in eine versunkene Welt, die es wert ist, zumindest zwischen Buchdeckeln weiterzuleben.

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Liberaler Katholizismus

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(Vortrag nach dem Buch „Sie haben Ihn entthront“ von Erzbischof Lefebvre)

Dieses Thema ist sehr wichtig, da jeder von uns, alle Gläubigen der Bruderschaft aufpassen müssen, nicht liberal zu werden. Dies geht bei einem Menschen, wie es auch in der Kirche vonstattenging, meistens sehr langsam und kaum wahrnehmbar voran.

Der Erzbischof verwendete das Wort „liberale Katholiken“ oder „katholische Liberale“ nur ungern, da es ein Widerspruch in sich selbst ist. Man kann nicht katholisch und liberal zugleich sein. Denn „katholisch“ zu sein, bedeutet, sich in die menschliche und göttliche Ordnung einzufügen, sich unterzuordnen, während „liberal“ sein eben die Emanzipation (also Loslösung) von dieser Ordnung, die Revolte gegen unseren Herrn Jesus Christus bedeutet. Man kann mit Recht sagen, dass der Liberalismus eine Sünde ist, wenn man vom „katholischen Liberalismus“ spricht. Auch kann man vom liberalen Katholizismus sagen, dass er eine Krankheit des Geistes ist. Warum das so ist, wollen wir nun mit den Worten des Erzbischofs näher ausführen.

Gegen die katholische Lehre von der Herrschaft unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft und die Verbindung zwischen Staat und Kirche wenden die liberalen Katholiken ein, dass diese Lehre ohne Zweifel wahr, aber nicht anwendbar sei, auch nicht in katholischen Ländern. Deshalb dürfe diese Lehre weder gepredigt noch angewandt werden. Dies widerspricht jedoch dem Zweck der katholischen Lehre!

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„Und jede scharfe Dorne trug roten Rosenflor“: Die katholische Dichterin Maria Kahle

Maerchenerzaehlerin

von Andreas Weißinger

Am 16. Februar 2012 wurde an einer Grundschule in Schwäbisch Gmünd der Schriftzug „Maria-Kahle-Schule“ durch einen Stadtratsbeschluss entfernt. Vorangegangen war eine eineinhalbjährige Polit-Posse, die für die bundesweiten systematischen Säuberungen von „belasteten“ Straßen- und Schulnamen in den letzten Jahren als exemplarisch gelten kann. Der Leiter des Politikressorts der Jungen Freiheit, Marcus Schmidt, beschrieb das Schema F folgendermaßen:

Zunächst wird der jeweilige Straßen- oder Schulname von Initiativen oder Einzelpersonen öffentlichkeitswirksam „problematisiert“. In entsprechenden Publikationen und Zeitungsartikeln wird dann über die Hintergründe und vermeintlich dunkle Kapitel in der Biografie des Namensgebers „aufgeklärt“. Sehr schnell finden sich dann Unterstützer in den entscheidungsrelevanten Gremien (Stadtrat, Bezirksversammlung) bei der SPD, den Grünen und natürlich bei der Linkspartei und anderen linken Gruppen. Ebenso regelmäßig bleibt der Widerstand von Union und FDP zumeist verhalten. Nicht selten reihen sich deren Vertreter nach anfänglichem Zögern um des lieben Friedens willen in die Reihe der Umbenenner ein.[1]

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