Jugendzeitschrift „DGW“: Interview mit Pater Niklaus Pfluger

Cover_DGWIn der Weihnachtsausgabe 2014 der KJB-Zeitschrift „Der Gerade Weg“ befindet sich ein ausführliches Interview mit dem Ersten Assistenten des Generaloberen der FSSPX, Pater Niklaus Pfluger. Darin spricht er über die Herausforderungen, die die Gläubigen in den aktuellen Wirren in Kirche und Gesellschaft zu meistern haben. Besonders geht er dabei auch auf die Lage junger Menschen ein.

Nachfolgend einige Auszüge aus dem Interview, welches DGW-Chefredakteur Matthias Jean-Marie Schäppi im Spätherbst 2014 führte.

Pater Pfluger spricht im Interview unter anderem die Geisteshaltung jener Personen an, die im Umfeld der Priesterbruderschaft auch junge Menschen durch engherzigen Rigorismus und ein geschürtes Misstrauen gegen die Führung der FSSPX verunsichern:

Diese Leute machen aus Fragen des praktischen Handelns, der Klugheit, der Diplomatie, daraus machen sie eine Frage des Glaubens – den sie selbst definiert haben.“

Ich wünsche mir schon, dass man den Wortführern, die kein Maß und keine Mitte kennen, die, wie ich es oben genannt habe, mit großem Eifer eine Religion betreiben und für eine Kirche streiten, die immer grösser sind als sie selbst, klarer widerspricht. Es schadet uns nicht wirklich, wenn dieser ungute Geist weggebrochen ist. Diese Leute sind keine eifrigen Gläubigen, es sind gläubige Eiferer, und sie müssen spüren, dass sie nicht die Gläubigen repräsentieren, sondern nur sich selbst. Da sind alle Gläubigen und gerade auch die Jugend gefordert.“ Weiterlesen

DGW-Akadmemie (III-II)

Verwandle Geschichte in Tradition!

Hier treffen wir auf ein Problem: Zeitgenössische Kultur zu finden, die diesen Geist in sich trägt, ist schwierig, wie oben beschrieben. Bleibt nur noch die „alte“ Kultur, die diesen Geist noch in sich trägt (obwohl da man natürlich auch unterscheiden muss. „Vormodern“ bzw. „alt“ ist noch lange kein Gütesiegel, was zum Beispiel so manche Schriftsteller der Aufklärung beweisen).

Auf den ersten Blick dürfte somit doch alles in Ordnung sein, schließlich hört man in unseren Kreisen nicht selten, wie gut „früher“ die Kultur doch war. Aber: Die Kultur nur zu konservieren bringt uns nichts. Wird das Liederbuch nur weitergegeben, aber nie daraus gesungen, ist es wertlos. Werden die Theaterstücke nie gespielt, die Gemälde nie besprochen, nie von den Schülern abgemalt etc., dann führen wir keine Traditionen fort, sondern verlangsamen nur den Untergang. Wie heißt es so schön: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“ Tradieren, auf die Kultur bezogen, heißt Beleben. Kultur soll nicht verstauben, sondern begeistern. Dazu muss sie ein Teil unseres Alltages werden und uns inspirieren, abermals neue Kultur zu schaffen, die Traditionen fortführen, die Linien nicht abbrechen lassen.

Missachten wir unsere Kultur und reden lieber über den Ausgang der letzten Wahlen, so wird uns langfristig kein Wahlerfolg irgendeiner Partei helfen. Auch eine Beschäftigung mit Kultur, die nur darauf hinausläuft, über heutige Missstände zu jammern, ist der falsche Weg.

Vielmehr müssen wir uns selbst und unsere Umwelt dafür sensibilisieren, tatsächlich hochwertige Kultur von Abfallprodukten zu unterscheiden und ihr in unserem Leben einen geeigneten Platz zuzuweisen, uns selbst in den Kenntnissen und Fähigkeiten der Schaffung von Kultur zu üben, um somit eigene Beiträge für wirkliche Fundamente leisten zu können.

Etwa die Begeisterung für Musik, Theater und Kunst am Schönenberger Mädchengymnasium oder in der Chorwoche ist ein richtiger Anfang, schließlich ist man hier nicht nur Betrachter vergangener Zeiten, sondern führt Traditionen fort, lässt sie leben.

Es sei erwähnt, dass mit Kultur nicht nur die elitäre Hochkultur gemeint ist, die gewiss nicht jedermanns Geschmack oder Bildungsgrad trifft. Im Gegenteil, zur Kultur im weiten Sinne gehört auch ein einfacher Kinderreim oder ein Kinderbuch. Auch etwas, das einfach ist, kann Niveau besitzen, erbaulich sein und Jung wie Alt ein gutes Beispiel geben. Diesen Auftrag hat die Kultur Sie füllt die Zwischenräume des Gerüstes der Gesellschaft und festigt sie somit; dazu ist sie imstande, im Guten wie im Schlechten.

Neben den klassischen Formen der Kultur bieten sich uns heute auch noch andere, wie beispielsweise Film und Fotografie. Die damit beziehungsweise mit dem Medienzeitalter zusammenhängenden Probleme, die auch bereits Walter Benjamin ansprach, lohnt es zu erörtern, allerdings an anderer Stelle.

Kunst und Kultur ändern sich, haben es immer getan und tun es auch weiterhin. Im 20. Jahrhundert aber gab es einen entscheidenden Bruch. Wie im Bereich der Politik ist es auch in der Kultur nicht möglich, diesen Bruch einfach zu übergehen und nahtlos an das Vorherige anzuknüpfen. Derartige Versuche gab es und sie scheiterten in der Regel. Allerdings ist es auch nicht notwendig, das Frühere schlicht zu kopieren. Vielmehr ist es nötig, Eigenes zu schaffen, das sich vom Geist des Früheren inspirieren lässt und so auf diese Weise daran anknüpft und dieses weitergibt. Weiterlesen

DGW-Akademie 2014 (III-I)

3. Panel: Kunst und Kulturen

von Andreas Weißinger und Moritz Scholtysik

Stationen des Niedergangs

Ist die Kunst an ihr Ende gelangt?

Mit dieser Frage beschäftigen sich zahlreiche Thesen und Theorien. Schon Hegel sprach davon, dass Gedanken, Urteile und Reflexionen die schönen Künste überschatteten und diese somit ihre „echte Wahrheit und Lebendigkeit verloren“ hätten.

1909 forderte der italienische Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti in seinem futuristischen Manifest gar die Zerstörung der alten Kultur, indem er dazu aufrief, die Bibliotheken in Brand zu setzen, die Museen zu überfluten und die alten Städte niederzureißen. Seit 1913 versuchte der Maler und Objektkünstler Marcel Duchamp mit seinen sogenannten Ready-mades zu zeigen, dass Kunst erst zur Kunst wird, wenn sie der Betrachter dazu erklärt.

1935 schrieb der Philosoph Walter Benjamin in seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, dass sich die Kunst angesichts des aufziehenden Medienzeitalters wandeln würde. Durch den Deutschunterricht ist zudem die 1951 veröffentlichte Aussage des Soziologen Theodor Adorno bekannt: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“

Zur Veränderung von Kunst und Kunstbegriff beziehungsweise zum Ende der Kunst, wie man sie bis dahin kannte, trug auch das Diktum des Künstlers Joseph Beuys bei, dass „jeder Mensch ein Künstler“ sei. Weiterlesen

DGW-Akademie 2014 (II)

2. Panel: Wirtschaft und Gesellschaft

Ist Kapitalismus katholisch?

Von Jonas Grininger

Der Frage, wie wir heutzutage unser Geld verdienen und welche Prämissen unser Alltagsleben bestimmen, kann sich keiner von uns ernsthaft entziehen. Grund genug also, das Themengebiet „Wirtschaft und Gesellschaft“ in das Programm der ersten DGW- Akademie zu integrieren. Wie in den anderen Themenblöcken wurde die rund sechzigminütige Diskussion mit einem kurzen Einführungsvortrag eröffnet, welcher in das jeweilige Thema einführen sollte und bewusst mit einer markanten sowie aufregenden Schlussthese endete. Die sich hernach entwickelnde Diskussion sollte sich nicht zwangsläufig an der eingangs formulierten Fragestellung abarbeiten; jene hatte vielmehr zum Ziel, die Diskussion in Fahrt zu bringen.

Dabei wendeten sich die Teilnehmer folgender Fragestellung zu: Sind sowohl die Art und Weise des Wirtschaftens als auch die von Rationalismus und Rationalisierung durchdrungene Lebenswelt der westlichen Hemisphäre mit den Grundlagen des katholischen Christentums wirklich vereinbar?

Wie die eingangs skizzierte Fragestellung zeigt, wurde die Verwendung des Begriffs „Kapitalismus“ als ein Ausdruck maximaler Unschärfe weitestgehend vermieden. Angemessener erschien es, von dem das Wirtschaftsleben dominierenden Ordnungsprinzip des Marktes sowie der „Logik der Ökonomisierung und Rationalisierung“ zu sprechen. Wo es aus Gründen der Einfachheit nicht anders ging, wurde trotzdem mit dem Begriff gearbeitet. Weiterlesen

DGW-Akademie 2014 (I)

Zum ersten Mal fand im Sommer 2014 nach zweijähriger Planung die DGW-Akademie in München statt, zu welcher ausgewählte DGW’ Autoren und Journalistenpreisträger eingeladen wurden, um über Wirtschaft & Gesellschaft, Geschichte & Politik sowie Kunst & Kultur in ungezwungener Atmosphäre zu debattieren. Die einzelnen Panels wurden von einem kulturellen und kulinarischen Rahmenprogramm umgeben. Da dieses „Pilot-Projekt“ ein voller Erfolg war, laufen bereits die Planungen für die Neuauflage im nächsten Jahr mit erweitertem Teilnehmerkreis.

Panel 1 „Politik und Geschichte“

Bei der ersten Gesprächsrunde der neugegründeten DGW-Akademie stand das Themenfeld Politik und Geschichte im Blickpunkt. In einem Impulsreferat zeigte der ehemalige DGW-Journalistenpreisträger Friedrich Reusch einige grundsätzliche Fragestellungen sowie aktuell bestehende Brennpunkte auf, die anschließend diskutiert wurden.

Folgende Bilanzierungen lassen sich im Nachhinein treffen:

  • Verschwörungstheorien versus Realismus:

Zunächst einmal ist festzustellen, dass in Kreisen glaubenstreuer Katholiken oftmals ein erschreckender Unwille vorhanden ist, zu tagespolitischen Vorgängen eine objektive, kluge und nüchterne Haltung einzunehmen. Stattdessen grassiert eine obskure, in ihrem Gehalt lächerliche, in ihren Auswirkungen verheerende Vorliebe für sämtliche Verschwörungstheorien von der flouridhaltigen Zahnpasta über Chemtrails bis hin zu angeblich hinter jeder Hecke lauernden Freimaurern. Dieser scheinfatalistische Mechanismus führt geradewegs in die soziale Isolation; nicht aber in die heroische Abgeschiedenheit eines Anachoreten oder eines Athanasius, sondern in eine Abgeschiedenheit, die aus ängstlicher Borniertheit resultiert und die nicht anders zu bezeichnen ist als eine Missachtung der Pflicht, in der Öffentlichkeit für naturrechtliche und christliche Prinzipien einzutreten. Außerdem leistet er einem gewissen Defätismus Vorschub, da das Feld ja bereits dem Feind überlassen wurde, die Welt als bösartig begriffen wird und ihr Niedergang als unabwendbar angenommen wird. Wäre in den Kreisen eben jener glaubenstreuen Katholiken ein wenig mehr Kenntnis der Heiligen Schrift und mehr Ignoranz hinsichtlich Enthüllungsbelletristik vorhanden, würde man wissen, dass diese Haltung des Knechtes, das empfangene Talent aus Angst zu vergraben, von Christus mit den verabscheuenden Worten quittiert wurde, dieser sei ein „schlechter und fauler Knecht […] Den unnützen Knecht aber werft hinaus in die Finsternis draußen! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“ (Mt 25, 26.30)

Somit wird von der Generation junger Katholiken ein nüchterner Realitätssinn gefordert sein. Dieser Realitätssinn beinhaltet zugleich den Mut, das Nötige zu wagen und sich nicht mit vermeintlicher Ausweglosigkeit zufrieden zu geben.

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„Haben wir den Mut, Männer zu sein! Echte Männer!“

Veränderungen beginnen im Kleinen, Verborgenen, Inneren. Zuerst ändere ich meine Einstellung, dann folgt mein Verhalten, mein Handeln. Schließlich beginne ich an meinem Umfeld zu arbeiten. Die Innerlichkeit ist das Fundament der Aktion. Ich kann nicht lehren, wenn ich mich nicht bilde. Ich kann nicht entzünden, wenn ich nicht brenne.

Echte Männlichkeit und echte Weiblichkeit sind selten geworden. Sie werden auf Klischees reduziert, karikiert, belächelt und von Politik, Wissenschaft und Medien aktiv bekämpft. Auch unter uns Katholiken sind echte Männer und echte Frauen rar geworden.
Höchste Zeit, das zu ändern. Höchste Zeit, den Computer auszuschalten und ein Buch in die Hand zu nehmen. Höchste Zeit, sich vom Fernsehsessel zu erheben und sich auf die Hantelbank zu legen. Höchste Zeit, die Augen vom iPhone abzuwenden und den Rosenkranz zu ergreifen. Höchste Zeit, echte katholische Männer und echte katholische Frauen zu werden.

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Gefahren des Pseudo-Traditionalismus Teil 2

Der zweite Teil dieser kurzen Artikelserie befasst sich mit uns jungen, traditionalistischen Katholiken und der Gefahr, lau zu werden und damit ein unechtes Dasein als Pseudo-Traditionalist zu führen.

 

Traditionalist und Pseudo-Traditionalist – Varianten christlicher Grundhaltung?

Für alle traditionalistischen Katholiken, ganz gleich welchen Alters, besteht die Gefahr, zu Pseudo-Traditionalisten zu werden; über uns allen hängt dieses Damoklesschwert. Was heißt das genau? Es ist damit ein schleichender Prozess des Lauwerdens gemeint.

Immerhin wird niemand, der sich ernsthaft jeden Tag in dieser anti-katholischen Welt bemüht, seinen Glauben zu leben, von heute auf morgen von einem eifrigen und frommen Katholiken zu einem sogenannten Pseudo-Traditionalisten. Stellen wir zuerst diese beiden Typen, den Traditionalisten und den Pseudo-Traditionalisten, einander gegenüber. Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf die Situation von uns jüngeren Gläubigen:

Der Traditionalist. Dieser Typ Katholik versucht ein wahrhaft christliches Leben zu führen, trotz aller widriger Umstände in der modernen Welt. Er weiß um die großen Herausforderungen, die ein solches Dasein mit sich bringt, er nimmt diesen ständigen Kampf auf. Er hat begriffen, was Gott von den Menschen verlangt und versucht, trotz der Gefahren der Welt und der Anfeindungen durch die Öffentlichkeit von Außen und aus dem Innern der Kirche durch die Modernisten, seinen Glauben treu zu bewahren. Er will Diener der Wahrheit sein – ohne falsche Kompromisse in der Glaubenslehre, den Sitten und der Moral. Natürlich fällt auch er oft, ohne Zweifel schmerzen ihn die Attacken und Ausgrenzungen, aber er steht im Vertrauen auf Gott wieder auf und kämpft weiter.

Der Pseudo-Traditionalist. Dieser traditionalistische Katholik wird zunehmend müde, er ist das ständige Kämpfen immer mehr leid und möchte – als soziales Wesen – sich nicht mehr ausgrenzen. Er will in Harmonie mit seiner Umwelt leben und nicht mehr ständig den harten Kampf gegen sich selbst und die Schwächen seiner von der Erbsünde geschlagenen Natur führen. So etwa gegen all die materialistischen Verlockungen im Konsum und der Freizeitgestaltung oder die unsittlichen Verführungen durch die allgegenwärtigen Plakate halbnackter Models an Straßen und Bahnhöfen oder in den Medien. Wieso in so vieler Hinsicht der Welt widerstehen, wenn Mitschüler, Kommilitonen oder Arbeitskollegen das doch auch nicht müssen? Warum nicht einfach „endlich Spaß haben, endlich normal sein“? Auch ist er den Kampf der Tradition gegen Liberalismus und Modernismus leid: Wieso als Folge dessen in Hinterhof-Kapellen zur Messe gehen, wieso die schwerwiegende Kritik am Papst und den Bischöfen, wieso dieser dauerhafte Widerstand, durch den man nur unangenehm auffällt, sich als Sektierer beschimpfen lassen muss und dadurch selbst zur Minderheit macht? Das kostet Kraft und Nerven. Kann man es nicht endlich einmal gut sein lassen? Weiterlesen

Gefahren des Pseudo-Traditionalismus (Teil 1)

 

Gefahren des Pseudo-Traditionalismus (Teil 1)

Der erste Teil dieser kurzen Artikelserie über die Gefahren des Pseudo-Traditionalismus befasst sich mit dem notwendigen Kampf der traditionalistischen Gemeinschaften innerhalb der römisch-katholischen Kirche gegen den Modernismus und den Liberalismus. Der zweite, noch folgende Artikel hingegen befasst sich mit den alltäglichen Gefahren, denen traditionalistische Gläubige heute ausgesetzt sind, einem Pseudo-Traditionalismus zu verfallen bzw. einen sogenannten grundsätzlichen „Sonntags-Katholizismus“ einschleichen zu lassen.

Was ist Traditionalismus?

Traditionalismus wird im Folgenden als Ansinnen einer Bewegung innerhalb der römisch-katholischen Kirche verstanden, deren Anhänger am wahren, unverfälschten und unverkürzten katholischen Glauben festhalten wollen, also an dem Glauben, wie er von Jesus Christus gelehrt wurde und wie ihn die Kirche knapp 2000 Jahre lang verkündete und weitergab – es geht also um die Tradition der Kirche.1 Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil jedoch wurde mit dieser Tradition bewusst gebrochen. Die gefährlichste und schädlichste Irrlehre der Moderne, der Liberalismus, sickerte zwar schon weit vor jenem unheilvollen Konzil in die Adern der Kirche, wurde jedoch von den Päpsten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts immer wieder energisch zurückgewiesen, etwa – um nur wenige Päpste zu nennen – von Leo XIII. in seinen herausragenden Enzykliken Libertas praestantissimum und Immortale Dei oder durch Pius IX. in Quanta Cura oder seinem berühmten Syllabus. Der Liberalismus in der Theologie, also der Modernismus, wurde vom hl. Papst Pius X. als omnium haeresium collectum („Sammelbecken aller Häresien“) bezeichnet und in der wegweisenden Enzyklika Pascendi Dominici Gregis verurteilt. Das Zweite Vatikanische Konzil jedoch manifestierte diese gefährlichen Irrtümer in den Konzilstexten, zum Ausdruck gebracht vor allem in den Bekenntnissen zur Religionsfreiheit, zum Ökumenismus und zur Kollegialität sowie in den erschütternden Dekreten der Pastoralkonstitution der Kirche und der Erklärung zu den nicht-christlichen Religionen.

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