“Pater Pfluger on air” oder die Vorgeschichte eines legendären Interviews

Im Frühjahr 2014 hielt Pater Niklaus Pfluger einen Vortrag im Priorat Wien über die Aufgabe der FSSPX in der Kirchenkrise. Dieser Vortrag fand in einem Teil der damaligen DGW-Redaktion sehr großen Anklang.

“Häsch Ziit, Matthias?”, so der Erste Assistent des Generaloberen im Jahr 2014, als sich der DGW-Chefredakteur auf Heimaturlaub im Kanton Zug befand und der Hl. Messe im Generalhaus in Menzingen beiwohnte. Einen so hohen Herrn auf Kaffee und Kuchen einzuladen, das war für Schäppi eins.

Doch über was mit einem so hochgestellten Herrn reden? Übers Wetter, den Zustand der SVP oder über Bischof Fellays fußballerische Zeit beim Schweizer Zweitligisten FC Sion? Am hauseigenen Swimmingpool Cocktails schlürfen oder gemeinsam “Emil im Zug” auf Youtube anschauen?

Als der Cheferedakteur diese Sorge mit einem Teil der Redaktion am Telefon erörterte, kam die Idee auf, die Inhalte des Wiener Vortrags auch in einem DGW-Interview unserem Leserkreis zu erschließen.

Der Rest ist Geschichte.

Wir präsentieren unseren verehrten Lesern heute den genannten Vortrag im Original und in voller Länge.

Formulieren wir es so: den desavouierenden Stalin-Orgeln des Widerstands folgt nun die pflugersche Tsar-Bomb. Wir empfehlen unseren Lesern, sich diesen Vortrag einmal im Familienkreis bei einem schönen Gläschen Wein zu Gemüte zu führen. Dadurch wird auch in dem am hartnäckigsten durch das Widerstands-Trommelfeuer verwirrten Geist wieder die angenehme Ruhe des Heiligen Geistes einkehren:

Franzikus Laudato Si’ – eine Perle in der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte

978-3-451-35000-9_PF01_U.inddvon Deborah Görl

Seit Monaten wird Papst Franziskus neue Enzyklika Laudato Si’- Über die Sorge für das gemeinsame Haus von bestimmten Kreisen kritisiert. Die Kritik setzte sogar schon an, lange bevor das Dokument überhaupt erschienen war. Man möchte meinen aus einen prinzipiellen anti-römischen Affekt heraus. Manche Leute gehen morgens laufen andere sehen anscheinend Papst-Bashing als ihren Sport an…

Nun, wo man die Enzyklika tatsächlich vorliegen hat, zerpflückt man sie, wie man nur kann: Es werden einzelne „kritische“ Passagen isoliert zitiert, um damit die Schlechtigkeit der ganzen Enzyklika zu beweisen. Diese isolierte Zitation legt nahe, dass man das Dokument überhaupt nicht vollständig gelesen hat, geschweige denn es studiert und in den aktuellen Kontext eingeordnet hat, was für ein richtiges Verständnis essentiell ist. Das ist aber das Mindeste, was man tun sollte, wenn man derartige Kritik an einem lehramtlichen Schreiben des Vicarius Christi übt.

Denn hätte man sich sowohl mit der neuen Enzyklika als auch mit dem konkreten Kontext und der globalen Lage auseinandergesetzt, wäre man zu anderen Schlüssen gelangt.

Wir sind mit einer hochkomplexen und vernetzten sozio-ökologischen Weltkrise konfrontiert.

Zu dieser Krise gibt es eine aktuelle politische und auch philosophische Debatte zur Nachhaltigkeit und zum Klima, die fast ausschließliche von säkularen Überlegungen geprägt ist.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten wie man mit dieser Situation umgehen kann: Man kann diese Debatte ignorieren und stattdessen Verschwörungstheorien entwerfen oder man bringt sich konstruktiv mit einer christlichen Perspektive ein. Papst Franziskus hat sich für letzteres entschieden und damit einen naturwissenschaftlich geprägten Bereich, aus dem sich Kirche in den letzten Jahrhunderten weitgehend verdrängen hat lassen, wieder für das Christentum erschlossen. Continue reading “Franzikus Laudato Si’ – eine Perle in der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte”

Apologetik (Teil II)

von Pater Andreas Steiner

Antworten auf Einwände zwei bis vier gegen die Einzigkeit des wahren Glauben.

Der erste Einwand beinhaltet eine logische Verwirrung. Er geht von der innerlichen Überzeugung der einzelnen Vertreter aus, um daraus einen Einwand gegen den Glauben zu konstruieren.

Er lautet:

Einwand 2:

Es gibt so viele Religionen. Auch die Buddhisten, Moslems und Juden usw. behaupten, die Wahrheit zu haben. Alle Vertreter der Religionen glauben, sie seien auf dem richtigen Weg. Also gilt: Die katholische Kirche ist nur eine von vielen Religionen und Weltanschauungen, die behauptet, die wahre zu sein.“

Viele machen jetzt den Fehler und versuchen, den Einwand zu widerlegen. Dabei muss er nicht widerlegt werden. Er bedarf der Bestätigung. So lautet die Antwort:

Ganz genau. Und das gut und logisch.

Die Begründung ist ebenso einfach wie logisch: Glauben darf ein vernünftiger Mensch nur das, was er für wahr hält. Man würde sich lächerlich machen, wenn man sagte: „Ich glaube den Berichten von Marco Polo über China, aber ob sie wahr sind, weiß ich nicht.“ Wann immer es um den Glauben geht, geht es automatisch um die Wahrheitsfrage.

Wenn also eine Jude, ein Moslem oder ein Hindu etwas glaubt, muss er auch davon überzeugt sein, dass es wahr ist. Denn sonst dürfte er es gar nicht glauben.

Somit ist logisch, dass jeder Gläubige sagt: „Das, was ich glaube, ist wahr.“

Wenn er sagen würde: „Ich weiß nicht, ob das, was ich glaube, die Wahrheit ist.“, dann kann man ihn zu Recht mit der einfachen Frage Schach-Matt setzen: „Warum glaubst du es dann?“

0,,16687458_403,00Diese Schachmatt-Frage kann sich als besonders nützlich erweisen in der Diskussion mit liberalen Katholiken bzw. Modernisten. Sie lieben es, von sich selbst zu behaupten, christlich zu sein, aber keinen Anspruch darauf zu erheben, dass die christliche Religion die wahre sei. Dann kann man ihn zu Recht fragen, warum er sie dann glaube. Continue reading “Apologetik (Teil II)”

Tipp an unsere Leser: Présent-Interview mit Bischof Fellay auf Deutsch

Bishop Bernard Fellay, greets followers of the schismatic Lefebvrian Church during a procession under the trees of a dusty hilltop in Rome in this Aug. 9, 2000  photo. Monsignor Bernard Fellay, secretary general of the Society of St. Pius X, the ultraconservative movement founded by the excommunicated Archbishop Marcel Lefebvre, met with Pope Benedict XVI, Monday, Aug. 29, 2005. Lefebvre founded the Switzerland-based society in 1969, which opposed the liberalizing reforms of the 1962-65 Second Vatican Council, particularly its call for Mass to be celebrated in local languages and not the traditional Latin. He was excommunicated in 1988 after consecrating four bishops without Rome's consent. All four bishops, including Fellay, were also excommunicated. (AP Photo/Claudia Gazzini)
(AP Photo/Claudia Gazzini)

Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen auf das DGW-Interview mit Pater Niklaus Pfluger (DGW 4/2014) haben wir einen besonderen Tipp an unsere Leser: Auch der Generalobere der Piusbruderschaft, S.Ex. Weihbischof Bernard Fellay, hat nun ein sehr gehaltvolles und visionäres Interview gegeben.

Aus den Antworten der Interviewfragen, die ihm von der Französichen Zeitung “Présent” gestellt wurden, spricht gleichsam die universalkirchliche Stimme Erzbischof Lefebvres. Genau wie der Gründer der Piusbruderschaft gelingt es ihm nämlich, einen realistischen Sinn für die Realitäten der römischen Kurie zu wahren und eine bedachte Diplomatie der “Eisenfaust in Glaceehandschuhen” zu betreiben.

Vor allem scheint bei den Aussagen Bischof Fellays die christliche Zuversicht auf eine Erneuerung von Kirche und Gesellschaft in kirchlichem Geist durch. Deshalb zeigt er an, dass das Bild eines verbitterten Traditionalisten auf ihn nicht zutrifft:

Frage: „Pessimistisch“, „anderen gegenüber verschlossen“, „die meinen, nur die Gläubigen der Priesterbruderschaft würden gerettet“: manchmal wird so über Sie geredet.Was antworten Sie darauf? Was ist für Sie der missionarische Geist?

“Msgr. Fellay: In alledem erkenne ich mich überhaupt nicht wieder. Sicher ist eine Festigkeit in der Lehre notwendig, denn über den Glauben gibt es nichts zu verhandeln. Der Glaube ist ein Ganzes, das der liebe Gott schenkt, und man hat nicht das Recht, zwischen den geoffenbarten Wahrheiten eine Auswahl zu treffen. Das kommt heute nicht gut an, wenn man an diese Anforderungen erinnert, was übrigens mehr oder weniger immer der Fall war. Der Ausdruck ‘Glaubenskampf’ ist ein Teil der Geschichte der Kirche. Der Missionar muß diese Stimme des Glaubens unbedingt nach außen hörbar machen, und zugleich muß er die stärken, welche diesen Glauben bereits haben. Das Licht der Fackel erleuchtet die Welt, das Licht des Glaubens strahlt warm. Der Glaube muß von der Liebe getragen sein: so sehe ich den Missionar.”

Wer aber getrieben von der Hoffnung und Liebe agiert, muss den defätistischen Kräften innerhalb der Piusbruderschaft klar zeigen, dass deren geistliche Heimat in Jansenismus und Sektierertum zu finden ist, sie aber gleichsam als Gift aus unseren Reihen ausgeschieden werden müssen:

“Nehmen Sie zum Beispiel diese Karikatur der Tradition, die sich ‘Widerstand’ nennen läßt: es handelt sich da um einen nicht katholischen Geist, einen quasi sektiererischen Geist, den wir nicht wollen, um eine Bewegung, die sich auf sich selbst zurückzieht, mit Leuten, die denken, daß sie allein die Guten, die einzig Gerechten auf der Erde sind: das ist nicht katholisch.

Es handelt sich um eine objektive, aber auch relative Gefahr. Der größte Teil der Priesterbruderschaft ist gesund und will nicht in solche Illusionen verfallen. Wir werden so dazu gebracht, uns auf die übernatürlichen Mittel zu stützen. Das, was der liebe Gott von uns will, das wird er uns zeigen, er wird durch die Gegebenheiten, durch die Umstände reden.

Bischof Fellay liegt ferner jeder engherzige Rubrizismus fern. Deshalb begrüßt er auch die Idee Kardinal Sarahs, das traditionelle Offertorium in die neue Messe einzufügen:

“Ich bin sehr froh, daß sie wieder aufgenommen wird. Einige kritisieren diesen Schritt und sagen, daß so das Heilige mit dem Profanen vermischt würde. Im Gegenteil, im Sinne einer Gesundung der Kirche denke ich, daß das einen sehr großen Fortschritt darstellen würde, denn das Offertorium ist eine Zusammenfassung der katholischen Prinzipien der Messe, des der Allerheiligsten Dreifaltigkeit dargebrachten Sühneopfers, das vom Priester in Anwesenheit und Begleitung der Gläubigen an Gott gerichtet wird zur Wiedergutmachung der Sünden. Und das würde dann stufenweise die Gläubigen zur traditionellen Messe führen, die sie verloren haben.

Von der Tranquillitas Ordinis der inneren Haltung des Generaloberen der Piusbruderschaft zeugt auch dessen Schlusswort im Interview:

Ich rufe auf zum Gebet, und ich möchte mit einem Blick auf den lieben Gott enden, was uns nämlich erlaubt, immer die Hoffnung zu bewahren.

Wir rufen unsere Leser auf, als besonderen Dank- und Gunsterweis für den unerschrockenen und weitsichtigen Generaloberen der Piusbruderschaft im Monat Juli jeden Tag eine Heilig-Blut-Litanei zu beten in dem Anliegen, dass er auch weiterhin die Standesgnade erhalten möge, sein Amt sicher und segensvoll auszuführen!

Das angesprochene Interview findet sich in einer deutschen Übersetzung hier:
http://www.fsspx.de/de/%E2%80%9Eam-vorabend-schwerwiegender-ereignisse%E2%80%9C

Apologetik (Teil I)

von Pater Andreas Steiner

Was ist „Apologetik“?

Im dreijährigen Zyklus der KJB-Kaderschulung findet sich das Thema Apologetik, das auch in diesem Jahr wieder behandelt wird. Immer wieder hört man die Frage: Was ist das überhaupt, „Apologetik“?

Das Wort kommt aus dem Griechischen „ἀπολογία“ (sprich „Apología“), und heißt übersetzt „Verteidigung, Rechtfertigung“. Gemeint ist natürlich die Verteidigung und Rechtfertigung des katholischen Glaubens gegen die Einwände der Atheisten und Kirchenfeinde.

Warum ist die Apologetik so wichtig?

Dr. Migwe, ein Schwarzafrikaner aus Kenia, der sich sehr früh – bereits in den 70er Jahren – an den Erzbischof wandte und ihn um Priester für Afrika bat, gab mir auf die Frage, warum er die Kirchenkrise so klar erkannte, folgende Antwort: „Wissen Sie, Herr Pater, wir hatten gewöhnlichen Religionsunterricht, aber was mich am meisten gestärkt hat, war ein junger Priester, der uns in der Apologetik schulte. Er gab uns Argumente gegen alle Einwände, die man immer gegen Gott und seine heilige Kirche vorbringt. Das hat er uns so hervorragend beigebracht, dass ich später immer meinen Glauben verteidigen konnte“

Hägar

Es gibt wenig mutige Katholiken

Leider Gottes gibt es sehr wenig mutige Katholiken. Das liegt oft auch daran, dass sich viele Katholiken nicht gegen die Schlagworte der Kirchenfeinde zu wehren wissen. Die altbekannten Mauerbrecher sind ja immer die selben und man möchte fast sagen, es sind die selben seit dreihundert Jahren, seit der Zeit der Aufklärung, da Voltaire den Kampf gegen die Kirche gesellschaftsfähig gemacht hat. Um die Kirche schlecht zu machen spricht man von „Millionen von Hexenverbrennungen“, den „bösen Kreuzzügen“, der ach so „ungerechten Inquisition“ und schließlich dem „finstren Mittelalter“. Danach ist der ganze Stolz, den ein Katholik auf seine heilige Mutter, die Kirche, haben sollte, zunichte gemacht. Continue reading “Apologetik (Teil I)”