von Inge M. Thürkauf[i]
Auf den ersten Blick scheint die Gegenüberstellung von Auferstehung Christi und Naturwissenschaft provokant. Wie soll ein Ereignis, das im Bereich der Transzendenz seine Erklärung findet, mit einer dem rein Irdischen zugewandten Wissenschaft in Verbindung zu bringen sein? Und doch hat nichts den Glauben an die Realität der Auferstehung Christi so zerrüttet wie die zeitgenössische Erforschung der Natur.
Durch die Macht und die Erfolge der Technik in den letzten hundert Jahren erlangte die moderne, sich als wertfrei verstehende Naturwissenschaft eine hohe Autorität. Für nicht wenige ist sie zur Ersatzreligion geworden. Sie hat es zustande gebracht, dass ein wahrer Kahlschlag an Glaubenswahrheiten stattgefunden hat. Der Glaube an Gott wurde vom Glauben an die Wissenschaft verdrängt. Dabei wird vergessen, dass nicht an die Wissenschaft, sondern in der Wissenschaft geglaubt werden soll, und zwar an den, der die Wissenschaft durch seine Geschöpfe überhaupt ermöglicht – an Gott.

Der Glaube der Kirche an die Auferstehung Christi
Zentraler Inhalt der christlichen Lehre ist der Glaube an die wirkliche und leibhaftige Auferstehung des gekreuzigten Jesus. Aber gerade dieses „Heiligtum unseres Glaubens“[ii] wird nicht nur entweiht, sondern in der modernen Exegese sogar geleugnet, ungeachtet des Bekenntnisses ungezählter Heiliger, die sich ausnahmslos zum Ostergeheimnis bekannt haben. Der hl. Augustinus nennt die Ostervigil die „Mutter aller Vigilien“ und spricht von der zweifachen Auferstehung, die wir in der Osternacht feiern: die Auferstehung Christi, des Hauptes der Kirche, und die geistige Auferstehung der Glieder seines Leibes, der Gläubigen, in der Taufe oder in der Erneuerung der Taufe in der Osternacht. In der ganzen Liturgie der Osterfeier offenbart die Kirche die überschwängliche Liebe Gottes, der nicht gezögert hat, seinen eigenen Sohn zum Tod am Kreuze hinzugeben, um sein ungetreues Geschöpf zu erlösen.
Der hl. Paulus hat vor den Angriffen auf den Glauben gewarnt. In seinem ersten Brief an die Korinther weist er auf die Konsequenzen der Leugnung der Auferstehung hin, wenn er schrieb: „Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, so ist euer Glaube nichtig; denn ihr seid dann noch in euren Sünden“ (1 Kor 15,17), mit anderen Worten: Das ganze Evangelium wäre somit falsch und unwahr. Nun hat aber Jesus selbst seine Auferstehung als Zeichen und Siegel seiner messianischen und göttlichen Würde verstanden (Joh 2,18 ff, Mt 12,38–42). Wäre also seine Auferstehung eine reine Legende, so würde er schon längst als falscher Prophet entlarvt worden sein. Auch der hl. Johannes Chrysostomus mahnte: „Ist Christus nicht auferstanden, so ist er nicht der wahre Messias, da dieser nach der Heiligen Schrift auferstehen mußte. Ist er nicht der wahre Messias, so ist er nicht derjenige, welcher der Heiligen Schrift gemäß für unsere Sünden genugtun mußte, also sind uns die Sünden noch nicht nachgelassen.“[iii] Das würde bedeuten, dass alle, welche glauben, in Christus erlöst zu sein, sich irren. Sie sterben in Sünden und sind daher verloren (2 Kor 5,18–21). „Nicht darin besteht das Verdienst des Christen, zu glauben, daß Christus gestorben ist, sondern zu glauben, daß er von den Toten auferstanden ist.“[iv] Weiterlesen →
0.000000
0.000000
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...