Apologetik (Teil II)

von Pater Andreas Steiner

Antworten auf Einwände zwei bis vier gegen die Einzigkeit des wahren Glauben.

Der erste Einwand beinhaltet eine logische Verwirrung. Er geht von der innerlichen Überzeugung der einzelnen Vertreter aus, um daraus einen Einwand gegen den Glauben zu konstruieren.

Er lautet:

Einwand 2:

Es gibt so viele Religionen. Auch die Buddhisten, Moslems und Juden usw. behaupten, die Wahrheit zu haben. Alle Vertreter der Religionen glauben, sie seien auf dem richtigen Weg. Also gilt: Die katholische Kirche ist nur eine von vielen Religionen und Weltanschauungen, die behauptet, die wahre zu sein.“

Viele machen jetzt den Fehler und versuchen, den Einwand zu widerlegen. Dabei muss er nicht widerlegt werden. Er bedarf der Bestätigung. So lautet die Antwort:

Ganz genau. Und das gut und logisch.

Die Begründung ist ebenso einfach wie logisch: Glauben darf ein vernünftiger Mensch nur das, was er für wahr hält. Man würde sich lächerlich machen, wenn man sagte: „Ich glaube den Berichten von Marco Polo über China, aber ob sie wahr sind, weiß ich nicht.“ Wann immer es um den Glauben geht, geht es automatisch um die Wahrheitsfrage.

Wenn also eine Jude, ein Moslem oder ein Hindu etwas glaubt, muss er auch davon überzeugt sein, dass es wahr ist. Denn sonst dürfte er es gar nicht glauben.

Somit ist logisch, dass jeder Gläubige sagt: „Das, was ich glaube, ist wahr.“

Wenn er sagen würde: „Ich weiß nicht, ob das, was ich glaube, die Wahrheit ist.“, dann kann man ihn zu Recht mit der einfachen Frage Schach-Matt setzen: „Warum glaubst du es dann?“

0,,16687458_403,00Diese Schachmatt-Frage kann sich als besonders nützlich erweisen in der Diskussion mit liberalen Katholiken bzw. Modernisten. Sie lieben es, von sich selbst zu behaupten, christlich zu sein, aber keinen Anspruch darauf zu erheben, dass die christliche Religion die wahre sei. Dann kann man ihn zu Recht fragen, warum er sie dann glaube. Weiterlesen

Tipp an unsere Leser: Présent-Interview mit Bischof Fellay auf Deutsch

Bishop Bernard Fellay, greets followers of the schismatic Lefebvrian Church during a procession under the trees of a dusty hilltop in Rome in this Aug. 9, 2000  photo. Monsignor Bernard Fellay, secretary general of the Society of St. Pius X, the ultraconservative movement founded by the excommunicated Archbishop Marcel Lefebvre, met with Pope Benedict XVI, Monday, Aug. 29, 2005. Lefebvre founded the Switzerland-based society in 1969, which opposed the liberalizing reforms of the 1962-65 Second Vatican Council, particularly its call for Mass to be celebrated in local languages and not the traditional Latin. He was excommunicated in 1988 after consecrating four bishops without Rome's consent. All four bishops, including Fellay, were also excommunicated. (AP Photo/Claudia Gazzini)

(AP Photo/Claudia Gazzini)

Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen auf das DGW-Interview mit Pater Niklaus Pfluger (DGW 4/2014) haben wir einen besonderen Tipp an unsere Leser: Auch der Generalobere der Piusbruderschaft, S.Ex. Weihbischof Bernard Fellay, hat nun ein sehr gehaltvolles und visionäres Interview gegeben.

Aus den Antworten der Interviewfragen, die ihm von der Französichen Zeitung “Présent” gestellt wurden, spricht gleichsam die universalkirchliche Stimme Erzbischof Lefebvres. Genau wie der Gründer der Piusbruderschaft gelingt es ihm nämlich, einen realistischen Sinn für die Realitäten der römischen Kurie zu wahren und eine bedachte Diplomatie der “Eisenfaust in Glaceehandschuhen” zu betreiben.

Vor allem scheint bei den Aussagen Bischof Fellays die christliche Zuversicht auf eine Erneuerung von Kirche und Gesellschaft in kirchlichem Geist durch. Deshalb zeigt er an, dass das Bild eines verbitterten Traditionalisten auf ihn nicht zutrifft:

Frage: „Pessimistisch“, „anderen gegenüber verschlossen“, „die meinen, nur die Gläubigen der Priesterbruderschaft würden gerettet“: manchmal wird so über Sie geredet.Was antworten Sie darauf? Was ist für Sie der missionarische Geist?

“Msgr. Fellay: In alledem erkenne ich mich überhaupt nicht wieder. Sicher ist eine Festigkeit in der Lehre notwendig, denn über den Glauben gibt es nichts zu verhandeln. Der Glaube ist ein Ganzes, das der liebe Gott schenkt, und man hat nicht das Recht, zwischen den geoffenbarten Wahrheiten eine Auswahl zu treffen. Das kommt heute nicht gut an, wenn man an diese Anforderungen erinnert, was übrigens mehr oder weniger immer der Fall war. Der Ausdruck ‘Glaubenskampf’ ist ein Teil der Geschichte der Kirche. Der Missionar muß diese Stimme des Glaubens unbedingt nach außen hörbar machen, und zugleich muß er die stärken, welche diesen Glauben bereits haben. Das Licht der Fackel erleuchtet die Welt, das Licht des Glaubens strahlt warm. Der Glaube muß von der Liebe getragen sein: so sehe ich den Missionar.”

Wer aber getrieben von der Hoffnung und Liebe agiert, muss den defätistischen Kräften innerhalb der Piusbruderschaft klar zeigen, dass deren geistliche Heimat in Jansenismus und Sektierertum zu finden ist, sie aber gleichsam als Gift aus unseren Reihen ausgeschieden werden müssen:

“Nehmen Sie zum Beispiel diese Karikatur der Tradition, die sich ‘Widerstand’ nennen läßt: es handelt sich da um einen nicht katholischen Geist, einen quasi sektiererischen Geist, den wir nicht wollen, um eine Bewegung, die sich auf sich selbst zurückzieht, mit Leuten, die denken, daß sie allein die Guten, die einzig Gerechten auf der Erde sind: das ist nicht katholisch.

Es handelt sich um eine objektive, aber auch relative Gefahr. Der größte Teil der Priesterbruderschaft ist gesund und will nicht in solche Illusionen verfallen. Wir werden so dazu gebracht, uns auf die übernatürlichen Mittel zu stützen. Das, was der liebe Gott von uns will, das wird er uns zeigen, er wird durch die Gegebenheiten, durch die Umstände reden.

Bischof Fellay liegt ferner jeder engherzige Rubrizismus fern. Deshalb begrüßt er auch die Idee Kardinal Sarahs, das traditionelle Offertorium in die neue Messe einzufügen:

“Ich bin sehr froh, daß sie wieder aufgenommen wird. Einige kritisieren diesen Schritt und sagen, daß so das Heilige mit dem Profanen vermischt würde. Im Gegenteil, im Sinne einer Gesundung der Kirche denke ich, daß das einen sehr großen Fortschritt darstellen würde, denn das Offertorium ist eine Zusammenfassung der katholischen Prinzipien der Messe, des der Allerheiligsten Dreifaltigkeit dargebrachten Sühneopfers, das vom Priester in Anwesenheit und Begleitung der Gläubigen an Gott gerichtet wird zur Wiedergutmachung der Sünden. Und das würde dann stufenweise die Gläubigen zur traditionellen Messe führen, die sie verloren haben.

Von der Tranquillitas Ordinis der inneren Haltung des Generaloberen der Piusbruderschaft zeugt auch dessen Schlusswort im Interview:

Ich rufe auf zum Gebet, und ich möchte mit einem Blick auf den lieben Gott enden, was uns nämlich erlaubt, immer die Hoffnung zu bewahren.

Wir rufen unsere Leser auf, als besonderen Dank- und Gunsterweis für den unerschrockenen und weitsichtigen Generaloberen der Piusbruderschaft im Monat Juli jeden Tag eine Heilig-Blut-Litanei zu beten in dem Anliegen, dass er auch weiterhin die Standesgnade erhalten möge, sein Amt sicher und segensvoll auszuführen!

Das angesprochene Interview findet sich in einer deutschen Übersetzung hier:
http://www.fsspx.de/de/%E2%80%9Eam-vorabend-schwerwiegender-ereignisse%E2%80%9C

Apologetik (Teil I)

von Pater Andreas Steiner

Was ist „Apologetik“?

Im dreijährigen Zyklus der KJB-Kaderschulung findet sich das Thema Apologetik, das auch in diesem Jahr wieder behandelt wird. Immer wieder hört man die Frage: Was ist das überhaupt, „Apologetik“?

Das Wort kommt aus dem Griechischen „ἀπολογία“ (sprich „Apología“), und heißt übersetzt „Verteidigung, Rechtfertigung“. Gemeint ist natürlich die Verteidigung und Rechtfertigung des katholischen Glaubens gegen die Einwände der Atheisten und Kirchenfeinde.

Warum ist die Apologetik so wichtig?

Dr. Migwe, ein Schwarzafrikaner aus Kenia, der sich sehr früh – bereits in den 70er Jahren – an den Erzbischof wandte und ihn um Priester für Afrika bat, gab mir auf die Frage, warum er die Kirchenkrise so klar erkannte, folgende Antwort: „Wissen Sie, Herr Pater, wir hatten gewöhnlichen Religionsunterricht, aber was mich am meisten gestärkt hat, war ein junger Priester, der uns in der Apologetik schulte. Er gab uns Argumente gegen alle Einwände, die man immer gegen Gott und seine heilige Kirche vorbringt. Das hat er uns so hervorragend beigebracht, dass ich später immer meinen Glauben verteidigen konnte“

Hägar

Es gibt wenig mutige Katholiken

Leider Gottes gibt es sehr wenig mutige Katholiken. Das liegt oft auch daran, dass sich viele Katholiken nicht gegen die Schlagworte der Kirchenfeinde zu wehren wissen. Die altbekannten Mauerbrecher sind ja immer die selben und man möchte fast sagen, es sind die selben seit dreihundert Jahren, seit der Zeit der Aufklärung, da Voltaire den Kampf gegen die Kirche gesellschaftsfähig gemacht hat. Um die Kirche schlecht zu machen spricht man von „Millionen von Hexenverbrennungen“, den „bösen Kreuzzügen“, der ach so „ungerechten Inquisition“ und schließlich dem „finstren Mittelalter“. Danach ist der ganze Stolz, den ein Katholik auf seine heilige Mutter, die Kirche, haben sollte, zunichte gemacht. Weiterlesen

Pélerinage de Chartres – Eindrücke der großen Chartres-Paris Wallfahrt 2015

Die Chartres-Wallfahrt liegt nun schon wieder einige Tage hinter uns, aber ich denke sie hat tiefe bleibende Eindrücke bei den meisten hinterlassen. Das Erlebnis dieses geistlichen Abenteuers ist tief und nachhaltig. Es festigt und vertieft den Glauben und die Begeisterung dafür und es festigt auch die Freundschaften der teilnehmenden Gläubigen untereinander. Genießen Sie die folgenden Eindrücke und ich hoffe, auch Sie sind nächstes Jahr mit von der Partie!

2 min-Zeitraffer-Video des gesamten Pilgerzuges :

Hier 3 Rückmeldungen von der KJB:

Ein KJB’ler aus Memmingen schreibt ganz typisch für einen Mann kurz, knapp und prägnant:

Fazit in drei Worten?
erhebend
anstrengend
Wiederholungsbedarf! ;)

Ein KJB’ler aus Mainfranken

Angesichts der aktuellen Lage in Europa und der Kirche könnte man fast verzweifeln. Aber immer wieder keimt neue Hoffnung auf, wenn ich auf der Wallfahrt die vielen jungen Menschen und die vielen Fahnen mit dem Herzen Jesu sehe. Hier sieht man die Zukunft.

Eine KJB’lerin aus Baden-Württemberg:

Das 12. Mal Chartres und wie immer: anstrengend und wundervoll!

Unvergesslich der Einzug auf dem Messplatz am Pfingstsonntag unter dem begeisterten Jubel und Applaus der anderen Pilger und vor allem unserer Freunde und Geschwister im Kinderchapitre. In einem Augenblick waren die ganzen Strapazen des Weges vergessen, auch der letzten Etappe, die sich endlos hinzuziehen schien, und man wusste: Es hat sich gelohnt.

Auf einmal wurde mir klar: So wird es auch bei unserem Tod einmal sein, wenn uns die Engel und Heiligen und unsere Freunde und Verwandten, die schon auf uns warten, voller Freude mit Jubel empfangen: Ihr habt es geschafft! Ihr habt den guten Kampf gekämpft, den Sieg errungen, das Ziel erreicht. Dann werden wir wie in Chartres nicht die Opfer bereuen, die wir auf dem Weg auf uns genommen haben, sondern die, welche wir nur halbherzig oder gar nicht gebracht haben…

Die Tradition hat also eine junge Zukunft, auch in Deutschland, sehr schön! :-))

Von Lawine mitgerissen, vom Schutzengel gerettet

10_Gruppenfoto zwei Tage später

Es ist Mittwochmorgen, wir sitzen in der Gondel hinauf zum Mölltaler Gletscher. Herrlich strahlt die Sonne über den Hauptkamm der österreichischen Zentralalpen. Von Ferne leuchten in der Vormittagssonne Großglockner und Sonnblick.

„Ein wunderschöner Tag“, sage ich zu den KJB’lern, mit denen ich in der Achterkabine sitze. „Der liebe Gott meint es gut mit uns“ „Ja, so ein schöner Tag. Man muss immer froh sein, wenn es schön ist und nix passiert“, sagt Theresia. Ich stimme zu und wie durch einen inneren Antrieb sage ich: „Wisst ihr was? Eigentlich sollten wir beten, dass nichts passiert, man kann nie wissen.“ Alle drei pflichten mir bei. Wir beten auf der Fahrt nach oben „Unter deinen Schutz und Schirm“ und rufen die drei heiligen Erzengel Michael, Gabriel und Raphael an. Die zwei Mitfahrer sind Ausländer, sie verstehen kein Deutsch. Aber auch einem deutschsprachigen Gast, der in diesem Augenblick aus der Gondel geblickt hätte, wäre es nicht verständlich gewesen. Warum betet ihr? Es ist strahlender Sonnenschein, die Pisten sind super präpariert, was soll da passieren?

Wäre ich in diesem Augenblick in der Lage gewesen, die Ereignisse der nächsten Stunde zu sehen, ich hätte sie selbst nicht für möglich gehalten.

Dreißig Minuten später haben wir schon eine erste Abfahrt hinter uns. Traumhafter Schnee, der Mölltaler Gletscher ist ein herrliches Skigebiet an der Südseite der Alpen. Wir fahren zum zweiten Mal nach oben, stehen unter dem Gipfel 3122 Meter hohen Schareck und sind natürlich schon in Gruppen aufgeteilt. Die sieben besten Fahrer sind zusammen. „Komm, wir fahren den Funpark“, sage ich. „Nein, lasst uns Tiefschnee-Fahren“, ist aber die Meinung der Gruppe.

Also gut. Von der Bergstation queren wir hinüber zum Tiefschnee-Hang. Es handelt sich um eine Piste im freien Gelände, die nicht von der Raupe präpariert worden ist. Der Hang ist für Tiefschneefahrer freigegeben, weiter oberhalb, vom Gipfel circa 100 Meter herablaufend, findet sich eine Absperrung. Wir halten uns an diese Vorgabe und fahren in den offenen Bereich hinein und blicken nach unten, um die beste Abfahrt zu wählen. Deswegen entgeht uns, was sich etwa 50 Meter über uns abspielt. Von dort werden in den nächsten Momenten die Ereignisse ihren Lauf nehmen. Drei fremde Snowboardfahrer missachten die Absperrung. Sie wollen den schönsten, unberührten Tiefschnee haben und durchfahren die Absperrung weit oberhalb, direkt unter dem Gipfel. Eine verhängnisvolle Aktion, was sie aber noch nicht ahnen. Weiterlesen

Distributismus – Die katholische Alternative zu Kapitalismus und Sozialismus

von Simon Bannwart

G. K. Chesterton

„Das Problem mit dem Kapitalismus ist, dass es nicht genügend Kapitalisten gibt.“ – G. K. Chesterton

Papst Franziskus wird von den Medien zum Papst der Armen hochgejubelt. Im November 2013 veröffentlichte er seine Antrittsenzyklika Evangelii gaudium, welche weitgehend von seinem Vorgänger Benedikt XIV. vorbereitet wurde. Während der Schwerpunkt auf der Neuevangelisierung liegt, wird im 2. Kapitel die Wirtschaft, Vergötterung und Regierung des Geldes sowie die soziale Ungleichheit angeprangert. Die Kritik an der gängigen Wirtschaftsordnung hat eine lange Tradition. Vor dem Hintergrund der katholischen Soziallehre haben katholische Denker bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Antwort auf die Ungerechtigkeiten das eher unbekannte Konzept des Distributismus entwickelt.

1891 begründete Papst Leo XIII. in der Enzyklika Rerum Novarum, auch bekannt als „Mutter aller Sozialenzykliken“, die katholische Soziallehre. Der Papst beschreibt die Ausgangslage im Allgemeinen so: das Kapital ist in den Händen einer geringen Zahl angehäuft, während die große Menge verarmt; die einstigen Genossenschaften der arbeitenden Klassen wurden durch die Umwälzung im Rahmen der Industrialisierung zerstört; Sozialisten stacheln die Arbeiter gegen die Reichen auf, indem sie das Recht zum Besitz privaten Eigentums in Frage stellen.

Papst Leo XIII. ist der Ansicht, dass der Mensch sich die durch körperlichen Fleiß und geistige Sorge bearbeitete Natur gerechterweise als Eigentum anschafft. Dieses Eigentum ist dazu notwendig, dass der Familienvater den Lebensunterhalt für seine Kinder sicherstellen kann – wie es dem Gesetz der Natur entspricht. Die Ausbeutung Notleidender und das Vorenthalten eines gerechten Lohnes verurteilt die Enzyklika als eine himmelschreiende Sünde (vgl. Jak 5,4). Ungleichheiten seien aufgrund der Ungleichheit in den Anlagen, im Fleiß, der Gesundheit und der Kräfte unumgänglich und treiben den Menschen an, eine Leistung zu erbringen. Da der Reichtum dem Seelenheil jedoch tendenziell schadet, (vgl. Mt 19,23 f.) verpflichtet die Kirche den Reichen zur Wohltätigkeit und Almosen, also dem gerechten Gebrauch des Besitzes. Die Aufgabe des Staates ist, es dem Arbeitenden zu ermöglichen, durch Sparsamkeit seinen Besitz zu vermehren. Papst Leos Sicht des Staates als Rechts- und Wohlfahrtsstaat widerspricht der liberalistischen Auffassung, welche im Staat nur den Wächter der Rechtsordnung erblicken will. Wenn es den niederen Klassen gelänge, kleinen Grundbesitz zu erwerben und selbst zu bewirtschaften, würden die Gegensätze von äußerster Armut und aufgehäuftem Reichtum mehr und mehr verschwinden. Das Rundschreiben schließt mit dem Aufruf an Arbeitgeber und -nehmer, gemeinsam bei Maßnahmen und Einrichtungen mitzuwirken, um als Mitglied derselben den Notstand zu lindern und die Klassen innerhalb der Gesellschaft einander näherzubringen. Weiterlesen

Der Nonkonformist, der Katholik ist – eine Reportage

Fürstin Mariae Gloria von Thurn und Taxis  Wilhelm Imkamp  Pressekonferenz  Buchvorstellung Wilhelm Imkamp  Sei kein Spiesser sei Katholisch  Haus der Bundespressekonferenz  27.06.2013 Berlin

Fürstin Mariae Gloria von Thurn und Taxis & Prälat Dr. Wilhelm Imkamp
Pressekonferenz Buchvorstellung “Sei kein Spiesser sei Katholisch”

von Deborah Görl, München

Die Betrachtung der katholischen Kirche in Deutschland deprimiert. Fast täglich liest man von Verunstaltungen von Kirchen durch ästhetisch fragwürdige Raumgestaltungskonzepte, die meist sogar die Umbaumaßnahmen im Zuge der Liturgiereform an Geschmacklosigkeit weit übertreffen. Einige Zeilen weiter wird vom Abriss einer Kirche mangels Gläubigen berichtet. An anderer Stelle glänzen kirchliche Würdenträger durch Aussagen, die – euphemistisch ausgedrückt – selbst eine Herausforderung für die eingefleischtesten Kritiker darstellen. Manchmal versteht man sie auch überhaupt nicht, denn sie klingen zu sehr nach Corporate-Social-Responsibility-Broschüre eines beliebigen Dax-Unternehmens – hohl und leer. Und nicht selten fragt man sich einfach nach den Gründen für die Vielzahl von Hirten, denen ihr Priestertum sichtlich unangenehm ist und die eigentlich lieber politikerartige Wesen oder irgendetwas anderes wie NGO-Pressesprecher wären.

Kircheninternes Abstellgleis

Erfreulicherweise gibt es auch einige Ausnahmen. Eine von ihnen ist Prälat Wilhelm Imkamp, Jahrgang 1951, der Direktor des schwäbischen Wallfahrtsorts Maria Vesperbild.

Man kann mit Recht behaupten, dass es niemandem im deutschsprachigen Raum gibt, der ihm gleichen würde. Der 63-jährige, der schon vor über 25 Jahren durch die Ernennung zum Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, ein Amt, das als kircheninternes Abstellgleis gilt, „unschädlich“ gemacht wurde, ist das, was man von einem katholischen Priester erwartet: katholisch. Bei seinen Fernsehauftritten erscheint stets als Priester gekleidet, er vertritt katholische Positionen ohne sich hinter einem Gerüst aus unverbindlichen und allgemeingültigen Phrasen zu verstecken und seinen Büchern könnte man das Prädikat „orthodox“ verleihen.

An sich sollte dies bekanntlich eine Selbstverständlichkeit sein, aber wir leben in einer Zeit, in der man so etwas explizit betonen muss. Interessanterweise schafft Prälat Imkamp es dabei immer geistreich, originell und – in nicht inflationär gebrauchter Weise – authentisch zu wirken; alles Eigenschaften, die progressive Katholiken vermutlich nur durch ihre Positionen oder durch einen schicken Drewermann-Gedächtnis-Pullover glauben erwerben zu können.

Vor einigen Wochen hatte nun ein halbes Dutzend Münchner KJBler die Gelegenheit Prälat Imkamp bei einer Vorstellung seines 2013 erschienen Buches „Sei kein Spießer, sei katholisch!“ live zu erleben. Die Präsentation fand ironischerweise in den Räumlichkeiten der katholischen Studentenverbindung KDStV Aenania in München statt. Weiterlesen

Christliche Reinheit in der Bewährung – 5. und letzter Teil

Markus Hoffmann im Interview mit Friedrich Reusch (DGW)

Markus Hoffmann im Interview mit Friedrich Reusch (DGW)

Selbstbefriedigung und Pornografie sind wohl die zwei „prominentesten“ Themen, wenn es um den jugendlichen Kampf um die Reinheit geht. Beides sind Themenkomplexe, die wohl nicht mit dem bloßen Wissen um den Katechismus ausreichend behandelt werden können. Kannst du etwas zur psychologischen Dimension dieser Erscheinungen sagen? Kann man dieser Herausforderung gleichzeitig entschlossen, bedacht und effektiv begegnen?

Eine Antwort auf diese Frage wäre eigentlich ein ganz eigener Beitrag. Ich kann hier nur kurz skizzieren, wie das Thema Selbstbefriedigung und Pornografie zu strukturieren ist. Dazu möchte ich das theologisch geprägte Wort „Reinheit“ so definieren, wie ich es für meine Ratsuchenden in der Beratung tue. „Reinheit“ bedeutet ja, dass wir ein Leben ohne Sünde leben. Sünde aber geht zurück auf die Einheit von „Person“ und „Tat“. „Person“ ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, als das von Gott in einen Menschen hineingelegte „Gut“, das er erfüllen und nicht vergraben soll. Für die Sexualität heißt dies, dass Gott dem Menschen ein Ziel für die Sexualität als Gut mitgegeben hat. Entweder ist dies das Gut von Vater- und Mutterschaft oder es ist das Gut der Ehelosigkeit um den Himmelreiches willen (vgl. Mt. 19). In Verbindung mit dem Wort „Tat“ bedeutet nun Reinheit, dass all mein Handeln zur Erhaltung, zur Entfaltung und zur Wertschöpfung dieses „Gutes“ beiträgt, das Gott in mich hineingelegt hat. Jede Handlung aber, die dieses „Gut“ meiner Geschlechtlichkeit und Sexualität verfehlt, ist Sünde. Unreinheit ist von ihrem innersten Kern her damit als „Zielverfehlung“ zu verstehen; d.h. handle ich unrein, dann verfehle ich meine ganze Person in ihrem „Gut“ und in ihrer von Gott geschenkten Daseinsmöglichkeit.

Diese geistliche Sicht muss jeder Reflexion über Selbstbefriedigung und Pornografie vorangestellt werden. Denn Selbstbefriedigung und Pornografie erhalten damit eine geistliche Rahmung, die nicht durch irgendeine psychologische Bewertung eingeholt werden kann. Pornografie ist daher immer eine doppelte Zielverfehlung: Denn ich verfehle in der Pornografie nicht nur mich selbst, indem ich mich auf meine Lust reduziere und meine Sexualität nicht dem höheren Ziel meiner Vaterschaft oder Mutterschaft unterstelle oder der Ehelosigkeit. In der Pornografie schädige ich auch den anderen, den ich begehre in seinem „Gut“. Denn ich mache ihn zum Objekt meines Gebrauchs. In der Selbstbefriedigung verhält es sich oft ähnlich, denn in ihr bleibe ich bezogen auf mich selbst, wo doch meine Sexualität auf ein Ziel hingeordnet sein soll, nämlich auf das Du des anderen, dem ich mich in Hingabe verbinde. Weiterlesen

Christliche Reinheit in der Bewährung – Teil 4

Die allgemeine Problematisierung

In der ersten Hälfte unserer Betrachtung der christlichen Reinheit und ihrer Bewährung im 21. Jahrhundert haben wir zwei mutige Lebenszeugnisse von jeweils einem weiblichen und einem männlichen Mitglied der KJB betrachtet.

Nun wollen wir ausgehend von diesen Zeugnissen, aber auch über sie hinausgehend, diese mehr subjektiv geprägte Ebene verlassen und uns Gedanken darüber machen, was wichtig ist, um das Ringen um ein Leben in christlicher Reinheit heutzutage auf einer profunden und gesunden Grundlage anzugehen. Darüber sprachen wir mit Markus Hoffmann, dem Vorsitzenden von wüstenstrom e.V., eines Vereins, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen auf ihrem Weg zu einer bewussten Persönlichkeit zu begleiten. Die Arbeit des Vereins basiert auf dem christlichen Menschenbild und umfasst auch individuelle Fragen der sexuellen Identität.

Markus Hoffmann

Markus Hoffmann

Markus Hoffmann legt in diesem Interview dar, welcher psychologische Mechanismus auch viele Christen in Verhaltensmustern steckenbleiben lässt, die die Moraltheologie als sündhaft einordnet: „Wenn ich mich gegenüber einer Lebensfrage ohnmächtig fühle, dann greife ich ‘allmächtig’ zu einer sexuellen Inszenierung, nach einem erotisch aufgeladenen, pornografischen Rollenspiel, und löse mein Problem auf illusionäre Weise.“ Als möglichen Beginn einer Lösung rät er: „Will man aus einem solchen Kreislauf ausbrechen, so muss man wieder lernen, seinen Alltag zu beobachten. Man muss den Blick für die Dinge zurückgewinnen, die einem nicht gelingen, die einen frustrieren oder die wie ein Berg vor einem stehen. Das schafft man aber nur, wenn man sich der sexuellen Scheinlösung enthält. Kommt der Blick für die eigentlichen Probleme zurück, die hinter dem sexuellen ‘Druck’ stehen, dann ist es weise, einen Seelenführer oder Berater aufzusuchen, der einem hilft, sich diesen Problemen zu stellen.“

Lieber Markus, eine herausfordernde Aussage zu Beginn, auf die ich dich bitte, einzugehen: „Für Christen ist Sexualität ein notwendiges Übel. Selig, wer seine Triebe unter Kontrolle hat!“

Der Satz weist theologisch sicher in die richtige Richtung, er ist aber in sich schwierig, da es nicht den sexuellen Trieb im Menschen gibt. Dieser Trieb ist eine Erfindung von uns Menschen. Einen wissenschaftlichen Beweis eines Sexualtriebs gibt es nicht. Vielmehr fließen in die Sexualität des Menschen oft nicht-sexuelle Themen, Bedürfnisse und Stimmungslagen ein, die nach einer „sexuellen Lösung“ suchen. Das geschieht vor allem dann, wenn der Mensch keine guten und erfüllenden Beziehungen lebt, in denen er sich zuhause oder geliebt fühlt. Oder wenn er mit Fragen seiner Persönlichkeit ringt, die er dann nicht lösen kann. So enttarnt die Sexualwissenschaft den sogenannten sexuellen Trieb gern mit dem Satz: „Es ist weniger Sex im Sex als man denkt!“

Demzufolge müsste der Satz anders lauten: „Selig, wer seiner gesamten Persönlichkeit gut vorstehen kann, denn der hält sich einigen Ärger mit seiner Sexualität vom Hals!“ Weiterlesen

Christliche Reinheit in der Bewährung – Teil 3

RidB 7Die Suche nach dem verlorenen Vater

Von einem männlichen Mitglied der KJB.

Eine Leere, der ich mir nicht bewusst war. Die Suche nach männlichen Vorbildern, die mich dazu brachte, homosexuelle Erfahrungen zu suchen. Gefühle, die mir eine aufregende Welt zeigten, in der endlich die Leidenschaft vorhanden war, die ich aus meinem (Glaubens-)Leben nicht kannte. Das war ich. Doch ich merkte, dass man die Versuchungen im sechsten Gebot vielleicht mehr als alle anderen Versuchungen ganzheitlich angehen muss. Ich habe gelernt, dass viele Sehnsüchte in einem gestörten Verhältnis liegen zu dem, was unser seelisches Fundament sein sollte. Gerne möchte ich euch mitnehmen in das, was ich im Rahmen dieser Selbstfindung herausgefunden habe – nicht als „Seelenstriptease“, sondern als Einladung, sich einmal über die eigene Biografie Gedanken zu machen und etwas zu finden, was mehr ist als das bloße Vermeiden von Fehlern, mehr als schlichtes Bravsein: Erlösung und Leidenschaft für Gott. Es geht vielmehr darum, diese Probleme zu lösen, nicht bloß den sexuellen Trieb krampfhaft zu unterdrücken, um ein moralisch einwandfreies Leben zu führen.

Als Junge suchte ich mir schon immer männliche Vorbilder, welchen ich ähnlich werden wollte. Diese oder jene Eigenschaft gefiel mir an jemandem, und ich versuchte, mir sie anzueignen. Warum das ganze? Ich war permanent dabei, mich anzupassen, um vom eigenen Umfeld die Anerkennung (welche jedes Kind sucht) zu bekommen. Wenn mir an einem Klassenkamerad eine bestimmte Art gefiel, so ahmte ich ihn nach. Die Art wie er sich kleidete, wie er seine Hand zum Gestikulieren bewegte, oder auch, wie er es verstand, unangenehmen Situationen im Gespräch rhetorisch einwandfrei auszuweichen. Durch solche Beobachtungen war mir klar, durch welche Verhaltensweisen man die Annahme der Gruppe am besten bekommt. Nachdem ich mich von der Gruppe angenommen fühlte, reichte das aber nicht mehr aus.

Ich hatte mich an die Aufmerksamkeit gewöhnt, das Gefühl der Annahme war ausgeschöpft. Die oberflächliche Anerkennung meines Umfelds war mir nicht mehr genug. Mit wenigen einzelnen Kameraden sprach ich nun auch über Dinge, die mich wirklich bewegten und über meine tieferen Gefühle. Hier kam es auch öfters zu Gesprächen über die eigene Sexualität (was jeder kennt, wenn er in das Alter kommt, in welchem sich der Körper verändert). Durch diese Gespräche wurde mir ein großes Vertrauen gegeben. Ohne es zu wissen, war ich auf der Suche nach etwas Innigerem, Tieferen. Ich bekam darin nun die ehrliche Bestätigung von anderen und eine tiefe Annahme. Bis dahin war ja alles okay, aber es führte bereits zum nächsten Schritt.

Die Gespräche wurden intimer, und waren oft auch nicht mehr sachlich. Aber weil ich hier das Vertrauen und die Annahme fand, blieb ich dabei, obwohl ich mittlerweile andere (ohne es damals zu wissen) zur Sünde verführte. Dieses Bedürfnis hatte für mich eine höhere Priorität als moralische Grundsätze. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es auch zu körperlichem und schließlich immer wieder zu intimem Kontakt mit diesen “Freunden” kam. Darüber machte ich mir zunehmend Gedanken: Warum war ich so? Was bedeuteten diese Gefühle in mir? Wollte Gott, dass ich so bin? Warum empfanden die anderen nicht so wie ich? Oder taten sie das? Mit der Zeit habe ich dann mehr und mehr erkannt, dass der eigentliche Grund, so zu fühlen, eben diese gewünschte Annahme und die Bestätigungssuche ist. Weiterlesen

Christliche Reinheit in der Bewährung – Teil 2

girls night outUnerfüllte Sehnsucht

Von einem weiblichen Mitglied der KJB.

Wenn es um das Thema der standesgemäßen Keuschheit geht, so kann ich dazu sehr viel sagen – und doch wieder fast gar nichts. Ich kann euch berichten, wie leicht man in die Situation gerät, seine seelischen Sehnsüchte durch körperliche Nähe befriedigen zu wollen. Andererseits darf ich Gott für die Gnade danken, dass er mir gezeigt hat, wie ein Leben in seiner Nachfolge aussehen kann, welches kein Bedürfnis nach derlei Irrwegen hat. Mit meinem Beitrag möchte ich euch hineinnehmen in persönliche Erlebnisse. Vor allem aber möchte ich aufzeigen, was den Weg aus sündhaften Handlungsweisen jeglicher Art ausmacht: das Erwecken der Liebe zu Gott. Im Entzünden dieser Liebe ist das gesamte christliche Leben umschlossen: Unlust zur Sünde, Abschied von der Selbstliebe, Erwählung von Christus als des Geliebten der eigenen Person.

Im Wesen der Frau liegt es, hübsch sein zu wollen und erobert zu werden; und die Sehnsucht danach, geliebt zu werden, geborgen zu sein und zu lieben. Bei mir ließen die Eroberungen auf sich warten; von Jungs kam keine Beachtung, sie liefen einer anderen Art von Frauen hinterher. Mit natürlicher Schönheit kam ich scheinbar nicht weit – um Beachtung und Anerkennung zu finden, fing ich an, mich zu ändern: mein Verhalten, meinen Kleidungsstil, mein gesamtes Erscheinungsbild (meinen damaligen Idolen ähnlich). Die Schminkschicht wurde dicker, die Absätze wurden höher, die Röcke immer kürzer, die Ausschnitte immer tiefer, das Verhalten immer freizügiger und aufreizender… Die Reaktionen kamen: Jungs interessierten sich für mich, flirteten mit mir und es fühlte sich gut an; es gab mir Bestätigung, dass sie mich anderen Mädels vorzogen, wobei das Interesse nie lang anhielt – doch das blendete ich aus; ich genoss die kurze Zeit der Beachtung und Eroberung zu sehr…

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